Dieses Manifest ist erst in der Entstehung. Vielleicht wird auch ein ganzes Buch daraus?
Das Thema selbst hat jedenfalls mehr Aufmerksamkeit verdient, als nur ein paar schnelle Zeilen. Zu kriegerisch, patriarchal, kapitalistisch und autokratisch ist unsere Gesellschaft nicht nur immer noch, sondern eigentlich mehr denn je zuvor.
Obwohl, diese Welt hat schon schlimme Zeiten erlebt: Genozid an den Indianern, Versklavung halb Afrikas, Kolonialismus mit Genoziden rund um die Welt, Kreuzzüge, Atombomben, Weltkriege, Terror und Attentate, weitere Genozide, neue Kriege und vieles, vieles mehr.
Und doch scheint es mir, dass nicht nur in der Physik jeder Druck einen equivalenten Gegendruck erzeugt, sondern auch in der Gesellschaft. Wir befinden wir uns in einem neuen Zeitalter, dessen offizieller geschichtlicher Name noch gar nicht fertig definiert wurde. Es ist jedenfalls ein Zeitalter der Kommunikation und der Mobilität. Noch nie zuvor wurden Nachrichten so schnell und so flächendeckend rund um den Globus verteilt wie jetzt. Mehr denn je zovor prallen daher Meinungen, Ideologien und verschiedene Ziele aufeinander. Und die Menschen reisen nicht nur im Wahnsinnstempo jeden Tag zu Millionen überall hin und her, sie schicken Waren und leider auch Waffen mit Hochgeschwindigkeit und perfekter Präzision in ständig neue Ziele.
Was macht das mit unserer Gesellschaft? Sind das menschliche Gehirn, vor allem aber auch die Seelen der Menschen, die Menschen selbst, dieser Geschwindigkeit und diesen Anforderungen überhaupt noch gewachsen?
Als die Dampflokomotive erfunden wurde, gab es heftigen Protest von einigen, die behaupteten, dass der Mensch für solche Geschwindigkeiten nicht geschaffen sei. Er würde das nicht aushalten. Hätten wir auf diese warnenden Stimmen hören sollen?
Während wir das Weltall mit bemannten Raketen erobern und andere Planeten im Orbit untersuchen, vernichten wir unseren eigenen Planeten ohne Rücksicht darauf, dass, wenn wir so weitermachen, das Ende absehbar ist. Zu dominant sind der Kapitalismus und die Gleichgültigkeit geworden. Die Müllberge wachsen überall zu Land und in den Meeren.
Was ist nun eigentlich das Thema? Gehören Toleranz, Respekt und Frieden wirklich in einen einzigen Satz?
Aufgeklärte moderne Menschen haben die Demokratie als Allheilmittel defniiert. Obwohl, oder gerade weil auch Autokraten und Diktatoren immer noch große Teile der politischen Landschaft beherrschen, wird behauptet, dass eine Mehrheit eines Landes, eines Staates, oder sei es auch nur eines Vereines, vermutlich und hoffentlich immer schlau genug ist, die besten Lösungen für alle Probleme zu finden. Ab er stimmt das wirklich? Sind Mehrheitsmeinungen immer besser als Meinungen und Erkenntnisse einzelner Denker und Führer? Oder sind solche Mehrheitsmeinungen nur Sammelbecken von Popularisten?
Zumindest in Europa haben wir nach dem zweiten Weltkrieg neue, demokratische Systeme etabliert. Alle Staaten Europas haben ihre ehemaligen Könige und Kaiser entweder geköpft oder mit Ehrenpositionen auf politische Abstellgleise verschoben. Dort dürfen sie weiter Teile ihres ehemals gewaltsam angeschafften Vermögens verwalten, sich untereinander verehren und besuchen, aber politisch sind sie auf Eis gelegt.
In Vereinen lebt die liberale Demokratie, die Generalversammlungen bestimmen ihre Entwicklungen, aber gleichzeitig bestimmt eine repräsentative Demokratie das Tagesgeschehen. Im Vereinswesen ist das gesetzlich vorgeschrieben, weil irgendwer muss ja haftbar gemacht werden können, falls irgend etwas nicht klappt.
In den Ländern und Staaten Europas ist das ebenso. Selbst führerende Denker und Philosophen kamen und kommen meist zu der Erkenntnis, dass eine direkte liberale Demokratie ohne Repräsentanz durch politische Parteien gar nicht möglich wäre. Zu komplex, anfordernd und detailliert seien die Anforderungen. Die Masse der Bürger tut gut daran, einfach am Wahltag ein Kreuzerl zu machen, und die politischen Vertreter, die Partei, die sie gewählt haben, wird schon tun, was sie versprochen haben.
Das geschieht leider gar nicht mehr. Überhaupt nie. Zu komplex sind die Themenbereiche, wird stets argumentiert.
Blicken wir auf das Wesen einer politischen Partei: Ihre Gründung erfolgt auf Basis einer Ideologie und vor allem mit dem Selbstzweck, stetig zu wachsen, sein Vermögen zu vermehren, und seinen Einfluss auf die Gesetzgebung größer und stärker zu entwickeln, als alle anderen Parteien - ihre Gegner, letztendlich.
Toleranz gegenüber den anderen Parteien, Respekt vor den Meinungen der Mitglieder anderer Parteien, und vor allem das Streben nach friedlicher Zusammenarbeit wird bestenfalls im Zuge von Koalitonsverhandlungen verkündet. Gelebt werden diese Ziele im täglichen Leben nie. Das können sie gar nicht, denn sie werden als Schwäche gegenüber dem eigenen Parteiprogramm erkannt.
Sachpolitik über Parteigrenzen hinweg gibt es nicht. Egal welches Thema Mitglieder der ÖVP, der SPÖ, der FPÖ, der Grünen, der NEOS, oder sonstiger kleinerer Parteien vertreten und aufbringen: Alle anderen sind prinzipiell dagegen, suchen Gegenargumente und bekämpfen sich öffentlich.
Man könnte solches Verhalten auch als lebendige Meinungsbildung bezeichnen, aber kann das je zu sachlichen Lösungen führen?
Die Resultate geben das jedenfalls nicht her: Die Verschuldung Österreichs, ebenso wie die ihrer Nachbarstaaten, hat enorme Ausmaße erreicht und wächst täglich weiter. Die Arbeitslosenzahlen steigen konsequent immer weiter. Insolvenzen kleiner und großer Firmen sind an der Tagesordnung. Das Sozialsystem und die Pensionen sind eigentlich gar nicht mehr leistbar. Die Finanzminister erfinden ständig neue Gründe für neue Steuern und Erhöhungen selbiger.
Die aktuell tobenden Kriege rundherum, in der Ukraine, in Israel, in Gaza, im Iran dienen als perfekte Gründe dafür, dass Europa wirtschaftlich immer schwächer wird. Davor gab es andere Kriege und Ölkrisen, Wirtschaftsembargos und sonstige politische Konflikte, die als Gründe für das eigene Schwächeln stets aus den Schulbaden der Politik gezogen werden konnten.
Es wird wohl weiterhin solche Kriege und Krisen geben. Wollen wir die weiterhin als Gründe - um nicht Ausreden beim Namen zu nennen - bezeichnen, oder wollen wir darüber nachdenken, wie wir aus unserem selbst fabrizierten Schlamassel herauskommen? Sind unsere politischen Parteien, politische Parteien überhaupt, die besten Werkzeuge, die wir zur Verfügung haben?
April 2026. Weiteres folgt.
Johannes PAUL MARTIN Zimmer