Die militärische Stärke Europas im Vergleich zu Russland per Ende 2025.
Ohne Zweifel sind die USA aktuell die stärkste Militärmacht der Welt. Russland folgt im Global Firepower Index auf Platz 2. Die Militärkraft der 27 EU-Staaten zusammen, ohne die US-NATO-Basen in Europa miteinzuberechnen, würde jedoch für Europa bereits Platz 2 ergeben, noch vor Russland – wohlgemerkt ohne die ca. 6.000 Atomsprengköpfe Russlands. In einem konventionellen Krieg, wie er aktuell in der Ukraine passiert, wäre Europa Russland sowohl an Soldaten als auch mit der Anzahl an Panzern, Kampfjets und Marine-Einheiten weit überlegen.
Daraus ließe sich theoretisch ableiten, dass Europa langfristig auf die militärische Präsenz der USA verzichten könnte, sofern die EU ihre logistischen und strategischen Koordinationen eigenständig weiterentwickelt. Die US-Präsenz steigert zwar die potenzielle Abwehrsymbolkraft, doch könnte man die NATO tatsächlich auflösen und im Gegenzug die bereits existente gegenseitige militärische Beistandspflicht der EU-Staaten auch im Bewusstsein der Bevölkerung deutlich machen. Die vorliegenden Zahlen belegen diese Möglichkeit deutlich.
Warum steht eine Auflösung der NATO überhaupt zur Diskussion?
Blicken wir auf die Geschichte: Die NATO entstand 1949 und hat sowohl ihren Ursprung als auch ihren gesamten Zweck aus der sich durch sie ergebenden Gegenkraft zur damaligen Militärkraft der Sowjetunion. Die Sowjetunion und der Warschauer Pakt kontrollierten damals auch Staaten wie Polen, Ungarn, die Tschechoslowakei, Rumänien, Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, die Ukraine und die DDR, die heute größtenteils EU-Mitglieder und eindeutig dem westlichen Lager zuzuordnen sind. Die Präsenz der NATO-USA und Kanadas glich die 1949 bestehenden schwachen militärischen Kräfte der europäischen Staaten nach dem Weltkrieg aus.
Heute ist das anders. Nicht nur die drastische Schrumpfung der Militärmacht Russlands durch die Auflösung der Sowjetunion, auch der jahrelange Stellungskrieg in der Ukraine macht erkennbar, dass Russland mit seinen traditionellen Waffen keine Überlegenheit mehr umsetzen kann. Die modernen Kriegsmethoden mit KI-gesteuerten Drohnen bewirken auf beiden Seiten, sowohl in Russland als auch in der Ukraine, massive Zerstörungen von Gebäuden, Infrastruktur und sonstigen Einrichtungen. Die russische Marine spielt im Ukraine-Krieg nur eine untergeordnete Rolle, die Luftwaffe mit ihren Kampfjets und Bombern wird wechselseitig durch die hochentwickelten Raketen-Abwehrsysteme immer wirkungsloser, die Panzer und sonstigen Bodentruppen können keine militärischen Vorteile bewirken. Es scheint, dass lediglich KI-gesteuerte Drohnen-Bomben eine kriegsentscheidende Rolle spielen können. Die technologische Entwicklung dieser neuen Waffengattung ist außerordentlich schnelllebig.
Europa hat aufgrund angeblicher geheimdienstlicher Informationen, dass Russland 2030 nicht nur die Ukraine, sondern weitere europäische Staaten überfallen und sich aneignen wolle, ein enormes Aufrüstungsprogramm gestartet. Der nachstehende Vergleich der konventionellen Waffensysteme zeigt, dass Europas Militärkraft für konventionelle Kriegsführung bereits jetzt, obwohl die europäischen Staaten in den letzten Jahrzehnten ihre Rüstungsinvestitionen auf Sparflamme gehalten hatten, der russischen Militärkraft zahlenmäßig weit überlegen ist.
Atomkraft als Stückzahl zu berechnen bzw. ein daraus folgendes Gefahrenpotenzial, ist hinfällig. Falls Russland tatsächlich Atomraketen losschicken würde, wären alle konventionellen Waffensysteme hinfällig. Nach einem Atomangriff braucht es keine weiteren Kampfhandlungen mehr.
Weiter bevorzugt in konventionelle Waffen zu investieren anstatt vorwiegend in Drohnensysteme, würde im Falle eines konventionellen Stellungskrieges in Europa keine militärischen Vorteile ermöglichen. Ein einseitiger Fokus auf schwere konventionelle Waffen ohne gleichzeitige Investitionen in Drohnen- und moderne Luftabwehrsysteme (wie SkyShield) greift in der modernen Kriegsführung zu kurz. Kampfpanzer, Kampfflugzeuge und U-Boote oder Patrouillenschiffe können alleine nur geringe militärische Vorteile bewirken. Gering nur deshalb, weil wir jetzt bereits täglich sehen, wie der Drohnenkrieg in der Ukraine geführt wird. Trotz hochmoderner Abwehrsysteme treffen hunderte Drohnen täglich direkt in Kiews Wohngebiete.
Die nachstehenden rein nominalen Zahlen und Auflistungen der konventionellen Waffensysteme umfassen zum direkten Vergleich ausschließlich im nationalen Eigentum befindliche Waffen und Systeme Europas ohne US-NATO-gehörige und dort stationierte US-Waffen. Zu Europa hinzugerechnet wurden Großbritannien, Norwegen und die Schweiz aufgrund ihrer geopolitischen und geografischen Lage, nicht jedoch Serbien, sowie die NATO-Länder Albanien, Bosnien, Montenegro, Nordmazedonien und die Türkei.
Die gelisteten Heeresstärken sind die ständig präsenten Soldaten ohne ihre Reservisten.
Aufgrund der vielen verschiedenen Arten von Panzern – wie z. B. Kampfpanzer, Schützenpanzer, Radpanzer, Kettenpanzer etc. – und da die Trennung zwischen den Arten fließend ist, wurden zum direkten Vergleich mit der russischen Anzahl alle europäischen Panzer addiert.
Addiert wurden Europas Haubitzen, Raketenwerfer und sonstige Raketensysteme, um ungeachtet der vielen verschiedenen Typen eine Vergleichbarkeit mit der Anzahl zu Russland herzustellen.
Ebenso addiert wurden Europas Fregatten, Korvetten, Zerstörer, Minenjagdschiffe, Patrouillenschiffe, Flugzeugträger etc.
Nicht berücksichtigt wurden in der europäischen Addition diverse Flugabwehrsysteme (Spyder, Patriot, Barak MX, IRIS-T, S-300), strategische Raketensysteme, Transportflugzeuge, Tankflugzeuge, Transportfahrzeuge, Aufklärer, gepanzerte Logistikfahrzeuge und sonstige unbemannte Systeme.
Mit 2025/26 begann in Europa eine massive militärische Aufrüstung, die hier noch nicht berücksichtigt ist. Russland musste einerseits im Krieg gegen die Ukraine in den letzten Jahren Verluste und Reduktionen in nicht exakt bekannter Höhe hinnehmen, produziert andererseits jedoch ständig massiv nach und kauft international zu (z. B. in Nordkorea und China). Der Vergleich der Militärkraft zwischen Europa und Russland ist daher als Richtlinie und Größenordnung zu sehen, nicht als Detailanalyse.
Behauptungen zufolge wären die europäischen Staaten ohne die NATO zu unkoordiniert, um auf einen theoretischen Angriff von außen zeitgerecht und systematisch reagieren zu können?
Doch die Europäische Union strebt unabhängig von der NATO eine stärkere Rolle als eigenständiger Sicherheitsakteur an. Dazu wurden MILEX und RDC LIVEX eingerichtet, das wichtigste militärische Krisenmanagement der EU. MILEX umfasst sowohl Stabsübungen am Computer (Command Post) als auch regelmäßige reale Truppenübungen im Feld. Das Führungs- und Planungszentrum ist das militärische Hauptquartier der EU (MPCC) in Brüssel. Die Führung im Feld wird von europäischen Hauptquartieren wie dem multinationalen EUROCORPS übernommen. Auch die Schweiz und Österreich nehmen als neutrale Staaten an solchen Übungen teil. Gemeinsam mit Großbritannien und den nordeuropäischen Staaten wurde zudem die Joint Expeditionary Force (JEF) für eigenständige maritime und amphibische Manöver im Nordatlantik und der Ostsee geschaffen. Weitere koordinierte Manöver finden im Rahmen von „Southern Breeze“ (Frankreich und Großbritannien) statt.
Konklusion:
Die militärische Stärke Russlands ist nicht mehr vergleichbar mit der damaligen Schlagkraft der Sowjetunion, da die meisten osteuropäischen Ex-Mitglieder des Ostblocks heute fest dem Westen zuzurechnen sind. Die Sowjetunion existiert schlicht nicht mehr und der jahrelange Stellungskrieg in der Ukraine zeigt drastisch die konventionellen Limitationen Moskaus auf.
Die europäischen Länder haben erstens durch ihre gegenseitige Beistandspflicht im Rahmen der EU und zweitens durch ihre eigenen staatlichen Kapazitäten eine enorme Militärkraft aufgebaut. Zusammen bilden sie heute die zweitstärkste konventionelle Militärmacht der Welt.
Rein rechnerisch würden rund 9.200 russische Panzer über 20.000 europäischen Panzern gegenüberstehen. Rund 900 russische Kampfjets stünden über 2.200 europäischen Kampfjets gegenüber und eine schrumpfende russische Flotte müsste sich mit Hunderten modernen europäischen Kampfschiffen messen.
Europa verfügt über die nötige Substanz, um seine Sicherheit selbst in die Hand zu nehmen. Was jetzt folgen müsste, ist kein starres Festhalten an transatlantischen Strukturen des letzten Jahrhunderts, sondern der politische Wille, diese europäische Kraft im Bewusstsein der Bürger zu verankern und strategisch klug in die Waffensysteme der Zukunft – namentlich KI und Drohnennetzwerke – zu investieren.
Johannes PAUL MARTIN Zimmer
MILITÄRKRAFT IM VERGLEICH / Europa (ohne NATO) vs. Russland /
Stand Ende 2025